Restaurant im Pfefferberg – Gans schön daneben
Nach dem Motto „Alles um die Gans” hat der Koch des Restaurants Pfeffer ein Martinsgansmenü kreiert. Man kann es als 3-, 4-, 5- oder 6-Gang Menü nehmen. Wir hatten ca. 10 Tage vor dem großen Abend das 4-Gang Menü mit Weinbegleitung für 45 Euro vorbestellt. Das hat allerdings erst beim zweiten Versuch geklappt. Die telefonische Reservierung ging in die Hose, denn der Mann am anderen Ende hat uns aus irgendwelchen Gründen nicht ernst genommen. immer-hungrig war sich nach dem Auflegen nicht sicher, ob er sich verwählt hatte oder den Hausmeister dran hatte. Auf jeden Fall hatte er ein beklopttes Gespräch mit einer unversierten Großschnauze.
Sicherhaltshalber sind wir am nächsten Tag persönlich vorbeigefahren und siehe da, unsere Tischbestellung war nicht im Auftragsbuch bin. Gar nicht auszudenken, wenn wir mit unserer Gruppe dort angekommen wären und uns kein Tisch zur Verfügung gestanden hätte. Mit diesem Forecast, von dem wir uns im Vorfeld nicht entmutigen lassen wollten, sind wir hin – zum Martinsgansessen. Unser Budget für diesen Abend haben wir mit ca. 300 Euro kalkuliert, was auch dem Restaurant bewusste gewesen sein sein dürfte!
Als wir ankamen war im hinteren Raum eine Weihnachtsfeier im Gange. Die laute große Gruppe fand ich etwas störend, denn ich wollte ja schön in Ruhe meine Gänge abessen. Im vorderen bzw. Hauptraum stand über die gesamte Länge eine Tafel, die geschätzte 8 Meter maß. Für uns war mitten in der Mitte eingedeckt worden. Im Gegensatz zu den 2er-Tischen, die alle Tischdecken hatten, waren unsere Gedecke ohne Untersatz auf die blanke, dunkelgrüne Tafeloberfläche platziert worden. Das hatte den Nachteil, dass es nicht sehr weihnachtlich – Schrägstrich – festlich wirkte, zudem meine Arme immer auf Kälte lagen sowie Bestecke und Teller beim Servieren klapperten. Wenn schon keine Decke, dann hätte ich mir wenigstens einen Läufer gewünscht. Als stilbrechend würde ich auch die Miniweihnachtssterne bezeichnen. Zum modernen und glatten Design des Restaurants würden Floraldesigns von ‘grün der zeit‘ oder ‘blumenfisch‘ viel besser passen. Der blumenfisch-Laden ist sogar nebenan! Naja. So ging der Abend los.
Zuerst bekamen wir kommentarlos und ohne Erklärung einen Korb mit Brot hingestellt. Daneben stellte die Servierin einen kleinen Teller mit Schmalz, das wie Schlagsahne aus einer Tülle aufgespritzt war. Dass es Schmalz war, haben wir natürlich erst nach dem Kosten selbst herausgefunden. Die ungewohnte Präsentation lies nicht gleich darauf schließen. Vom Koch nett gedacht und angerichtet, aber leider vom Service nicht kommentiert.
Das Amuse-Gueule war eine Art Frischkäse verfeinert mit Gemüse und Kräutern. Ein Esslöffel davon reichte, um unseren Appetit anzuregen. Jetzt freuten wir uns schon auf die VORSPEISE. Auf einem großen quadratischen Glasteller brachte man uns geräucherte Gänsebrust auf Quittenkompott und Rote Bete serviert. Die Glasplatten schienen für einige Servicekräfte ziemlich schwer und schlecht handelbar zu sein. Zwischenzeitlich hatte ich echt Angst, das die ganze Kreation auf meinem Schoß landen würde. Aber nein, der Teller landete buchstäblich doch noch auf den Tisch. Vorher wurde damit aber noch das (rum)liegende Besteck weggestubst. Gut, dass wir keine Tischdecke hatten, denn dann wären die Löffel und Gabeln nicht so schön über den Tisch geschlittert. Beim Essen merkte ich, dass ich auf diesen Gang hätte verzichten könnte. Da war gar nichts dabei, was mich faszinierte. Das obere Drittel vom Teller war ganz lecker, bei der Gänsebrust habe ich das weiße Fett abgetrennt und die zwei gelben Rechtecke im unteren Drittel des Tellers fand ich von sehr merkwürdiger Konstenz. Da es aber auch zu diesem Gang nicht einen beschreibenden Satz vom Service gab, blieb nur die Try-and-Error-Variante, was schnell eklig werden kann, wenn man merkt, dass man einen Klumpen pures Entenfett im Mund hat (glaube ich zumindest, dass es das war).
Die SUPPE, also der 2. Gang, war ein Gänseconsommee mit Lebermaultaschen. Die war echt lecker, mit frischen Pilzen versehen und von einem sehr guten Geschmack wie ich ihn lange nicht schmecken durfte. Allerdings hätte ich sie mir einen Hauch wärmer gewünscht und nicht über den Tisch, sondern von hinten rechts serviert. Ich litt regelrecht mit meinem Gegenüber (immer-hungrig) mit als der kurzzeitig unter den Achseln der Dame ausharren musste. Ein Megagau!
Als HAUPTGANG FLEISCH gab’s Gänsebraten klassisch mit Rotkohl, Grünkohl, Maronen und Kloß. Das war wieder ein geschmacklicher Volltreffer, wobei ich einen Kloß auf dem Teller zu wenig finde. Bei 6 Gängen, die wir nicht hatten, mag das angemessen satt machen, weil das ganze Menü aus zwei Hauptgängen (Fisch und Fleisch) und zwei Desserst (Käse und Süßes) besteht. Aber bei einem 4-Gang-Menü wie unserem mit kleinsten Portionen vorne weg, ist das einfach zu wenig. Ein normal-hungriger Mann verlässt nach diesem 4-Gänge-Menü das Lokal hungrig. Man sieht auf dem Foto auch schön den Kleks Soße, der nur zur Deko diente. Obwohl man uns etwas zeitversetzt zusätzlich zwei kleine Soßenkännchen brachte, reichten diese leider nicht wirklich für uns sechs am Tisch.
Und zu guter Letzt wurde das DESSERT in Form von Pumpernickelmousse mit Zwetschgentarte und Mandelkrokant angeboten. Als Alternative hätten wir auch ein Käsedessert wählen können. Wollte keiner. Der Nachteil einer Tarte ist, dass man den härteren Boden nicht mit einem Dessertlöffel teilen kann. Schon aus diesem Grund war ich genervt. Man hat keine Freude an einem lecker Dessert, wenn man es nicht einfach mundgerecht geteilt bekommt und Gefahr läuft, dass es auf’s Hemd schnippt. Punktabzug für Unhandlichkeit.
Ich frag mich im Nachgang natürlich, wo jetzt meine 45 Euro für dieses Menü hingeflossen sind? Weder Masse noch Klasse haben diese aufgefressen. Gut, es gab zu jedem Gang 0,1 Liter Wein dazu. Da ich mich auf diesem Terrain nicht auskenne, bleibt dieser Punkt im Dunkeln und unaufgearbeitet. Kann ja sein, dass wir die totalen Raritäten bekommen haben! Unsere Kellnerin hat sich dazu nicht geäußert, denn es schien, dass sie keine Weinkennerin war. Sie las die Weinmarke einfach vom Etikett ab und das wahrscheinlich zum ersten Mal. So kam es uns jedenfalls vor. Das war’s dann mit der Weinvorstellung. Mit dem Essen lief es ähnlich. Ich hätte mir gewünscht, dass wir hier und da eine Anekdote zur Entstehung der Gänge, den Beweggründen des Kochs oder zur Inspiration zu hören bekommen hätten. Das macht so eine Menükreation doch erst spannend! Vor allem, wenn das Restaurant Pfeffer seine Kreation so vollmündig und exklusiv auf seiner Webseite schmackhaft macht:
… hat unser Koch Oliver Seiwert für Sie ein besonderes Martinsgansmenü kreiert. Wir servieren ab dem 11. November ab 17:30 Uhr exklusiv für Sie …
Ich für meinen Teil bin mit dem Gefühl nach Hause gegangen, unwillkommen gewesen zu sein. Wir lassen uns jedoch nicht entmutigen und werden weiter die Weihnachtsgansangebote der Stadt probieren.
- Espresso
- Einblick
- -1. Gang: Schmalz
- 0. Gang
- 1. Gang
- 2. Gang
- 3. Gang
- Dessert
- 4. Gang
Restaurant Pfeffer
Schönhauser Allee 176
10119 Berlin
http://www.pwag.net/restaurant.htm












am 14. Dezember 2009 um 20:50 Uhr
Die Suppe war eindeutig zu kalt und die Portion Gans mit Kloß zu klein.
Ich hätte mich auch gern an den einen oder anderen Wein erinnert, um ihn später zu kaufen. Leider wurden die Weine so leger serviert, dass mir keiner im Gedächtnis geblieben ist. Ein paar Worte auf der Speisekarte als Gedächtnisstütze wären nicht schlecht gewesen. Vielleicht als Anregung für zukünftige Menüs.
am 19. Dezember 2009 um 14:08 Uhr
Bleibt die Frage, wo man in Berlin richtig gut und zu einem vernünftigen Preis Gans essen kann. Wir wollen heute Abend in den Prater gehen. Die bieten auch exklusiv Gans an. Hat jemand vielleicht noch einen besseren Tipp?
am 28. Dezember 2009 um 19:35 Uhr
Ich fand das Menü lecker. Einzig der Zwischengang mit der geräucherten Entenbrust war mir zu fett.
Die kleine Vorspeise aus Frischkäse mit Zitrone war extrem lecker. Die Gans war ok.
Sehr gelungen und für meinen Geschmack nicht zu kalt war die Suppe.
Kritik kann ich nur in Bezug auf das Personal äussern. Da ich definitiv kein Weinkenner bin, hätte ich mich über ein paar mehr Infos zum Wein gefreut. Das Etikett ablesen hätte ich auch gekonnt. Wieso dieser Wein zu diesem oder jenem Gang? Was hat sich der Koch dabei gedacht? Keine Ahnung, wir werden es nie erfahren. Schade Schade.
Ansonsten stand der Service mal wieder in keinem Verhältnis zu Küche und zu den Preisen. Als Koch würde ich mich darüber ärgern, dass an der Schnittstelle Küche / Gast alles eingerissen wird, was die gute Küche aufgebaut hat.
am 16. April 2010 um 10:32 Uhr
Ich weiß, ich weiß – ich bin spät dran mit meinem Gänse-Tipp; allerdings auch jetzt erst auf diesen Bericht gestoßen, weil ich mich bei meinem letzten Besuch des “Pfeffer” kürzlich sehr – ääääh: gewundert habe über die “leistungen” des Teams.
Daher: jute Jans zur Weihnachtszeit gibt’s im “Perkeo” in Charlottenburg, dazu eine Weinbegleitung, die ihresgleichen sucht, und dazu richtig schön vorgestellt wird. Lohnt!
am 30. Juli 2011 um 14:25 Uhr
Mehrfach habe ich in den letzten Wochen dort das Mittagessen genossen,ja,wirklich genossen,die Qualität war hervorragend und der Service war schnell und effektiv. Der ganze Spass kostet auch nur 5 Euro..
Hier hat sich definitiv was geändert,der mittägliche Andrang spricht für sich.