Gémeskút Csárda – Ein Ungar in Mahlsdorf
Wenn es etwas auf der Welt gibt, mit dem ich mich wirklich gut auskenne, dann ist das ungarisches Essen.
Ich habe fast jeden Sommer meiner Kindheit dort verbracht, meine Großeltern kochten ausschließlich ungarisch und manchmal nehme ich sogar selber die Pfanne in die Hand und backe mir Palatschinken. Sollte also mein Bericht über das Essen und das Flair dieses Berliner ungarischen Restaurants mit dem Namen ‘Zum Ziehbrunnen’ nicht allzu überschwenglich ausfallen, dann bitte ich immer meinen Erfahrungshintergrund zu berücksichtigen. Außerdem haben wir fast 400 Euro in dem Laden gelassen, was meinen Blick zusätzlich schärfte.
Unsere Truppe bestand aus 17 Personen. Wir hatten reserviert und bekamen den Platz im Wintergarten. Draußen war es nicht warm – hinterm Glas jedoch tropisch. Alle schwitzen vor sich hin und man hatte immer den Drang, möglichst schnell fertig zu werden, um an die frische Luft gehen zu können. So kommt keine gesellige Stimmung auf, was zum ersten Punktabzug bei der Sternchenvergabe führt. Bei so vielen Leuten dauert es natürlich auch eine Weile bis das Essen kommt. Zum Zeitvertreib und bei dem Klima mussten immer wieder Getränke geordert werden. Der Rest des Lokals war bis auf den letzten Platz besetzt. Der Kellner hetzte von Tisch zu Tisch. Im Prinzip hatte er nie Zeit für uns, uns nicht ein einziges Mal beraten oder ein nettes Wort gewechselt. Die Getränkebestellungen wurden schnell abgefackelt. Man musste immer Schnipsen und sich bemerkbar machen, um was zu bekommen. Es kam niemals eine Nachfrage an die Runde. Puh! Anstrengend alles. Für beide Parteien.
Das Restaurant selbst ist ziemlich authentisch eingerichtet. An den Wänden hängen getrocknete Kirschpaprika, Knoblauchzöpfe und Deckchen. Das obligatorische Unicum-Blechschild habe ich auch entdeckt. Das gleiche kann man von der Speisekarte sagen: jede Menge ungarische Gerichte, die in beiden Sprachen aufgeführt sind. Da ich mit den ungarischen Namen mehr anfangen kann als mit den deutschen Übersetzungen, bestelle ich mir das Cigány Pecsenye. Als deutsche Entsprechungen kursieren Bezechnungen wie Zigeunerbraten, Zigeunerschnitzel oder Knoblauchkotelett. Ich erwartete auf meinem Teller ein oder mehrere Schweinesteaks mit viel frischem Knoblauch drauf, dazu Schwenkkartoffeln und gebratener Speck mit Schwarte. So war’s dann auch. Als am besten gelungen würde ich die Speckschwarte bewerten. Echt lecker! Bei dem Fleisch hätte ich mir noch mehr Knoblauch gewünscht, und dass es weniger durchwachsen gewesen wäre. Das Servieren einer extra Wurst war mir neu. Die Kartoffeln hätte ich lieber mehr geschwenkt anstatt fritiert (gebraten) gehabt. Alles in allem ein gutes Essen. Mit 13,20 € ist dieses einfache Gericht viel zu teuer.
Ein kleines Desaster war der Nachtisch. Die sogenannten Gundelpalatschinken entpuppten sich als wässrige Flaatschen in billigster Schokosoße ertränkt. Wer Gundelpalatschinken anbietet, sollte sich auch an das Rezept von Herrn Gundel halten und diesen edlen Nachtisch originalgetreu herstellen. Ein Blick auf die Gundel-Website und diverse Rezepte im Web verraten einges über die zu erreichende Qualität mittels leckerster Zutaten. Das hier war nix!
Fazit:
- nette authentische Location
- gemischte Meinungen über das Essen (von Top bs Flop war alles dabei)
- kein Service dank brubbligem Personal
- teuer
- Kesselgulasch 3,40 €
- DO ist Lángos-Tag
- Zander Bakonyi 14,10 €
- Zigeunerbraten 13,20 €
- Forelle 10,50 €
- Husarenspieß 2P 32,40 €
- Holzplatte 15,40 €
- Schweinemedaillon 13,40 €
- Gundelpalatschinken 4,30 €
- Topfenpalatschinken 3,60 €
- gemeskút
- Palatschinken mit Marmelade 2 €
- Knoblauchsuppe
Hotel Zum ZIehbrunnen
Gasthof Gémeskút Csárda (sprich: Gehmäschkuht Tscharda)
Hultschiner Damm 236
12623 Berlin
T 030 56547511
http://www.zumziehbrunnen.de















am 21. Juli 2009 um 22:58 Uhr
Also,
mir hats geschmeckt ABER es war wahrlich teuer, zudem recht kleine Portionen, für meinen Geschmack auch nicht ungarisch genug und die Gundelpalatschinken waren tatsächlich keine Gundelpalatschinken
am 22. Juli 2009 um 23:48 Uhr
Ich war nicht zum ersten Mal dort. Manchmal verschlägt es mich mit Freunden zum Donnerstags-Bier dorthin. Da ist es dann gegen 20:00 eher sehr ruhig. Es sitzen dann nur ein, zwei Hotelgäste im Gastraum.
Die Küche funktioniert ganz gut und ziemlich oft bestelle ich mir den Szegedinergulasch.
Bei diesem aktuellen Besuch teilte ich mir den “Husarenspieß für 2 Personen”. Optisch sehr schön angerichtet, geschmacklich recht gutes Mittelmaß und preislich ganz schön weit oben angesiedelt. Bei 34 Euro habe ich mir die Vorsuppe verkniffen.
Ich hätte mir mehr ungarischen Geschmack gewünscht. Das ungarischste war noch die halbe Apfelpaprika – sauer eingelegt.
Der Kellner war mal wieder ein schönes Beispiel für: ich hab es nicht nötig, den Gast freundlich und zuvorkommend zu bedienen. So könnte er auch vor der Wende am Balaton Essen verteilt haben.