Femminamorta – Der Teller für den Kenner / Il Piatto Forte
Mit großer Erwartung sind wir in das neu eröffnete und überall hoch gelobte Femminamorta gegangen. Die
Presse spricht vom “perfekten Start”, von “unangestrengtem Essen und Trinken wie in einem klassischen italienischen Gasthaus”, von “umwerfender Carbonarasoße” oder von der “Toskana-Küche, die für Überraschungen sorgt”. Mit diesen Vorboten im Ohr konnte ich 12 Freunde gewinnen, die mit mir einen geselligen Abend verbringen wollten. Die telefonische Reservierung klappte einwandfrei: Man hatte für uns den schönsten Tisch – direkt vor dem großen Weinregal – als lange Tafel vorbereitet.
Der zweite Eindruck ist ebenfalls gut. Es erwartet uns ein ausreichend großes Restaurant, gut besucht mit verhaltenen Gesprächen an den Tischen. Eine gute Voraussetzung für Gespräche an einer langen Tafel. Die durchgehende Verschalung der Wände mit unbehandelten, langen hellen Holzbrettern gefällt mir gut, erinnert mich jedoch sofort an das “No Kangaroo” in Kreuzberg, wobei das Femminamorta einen Tick schicker ist. Die Klientel scheint wohlhabender zu sein und es geht gesittet zu. Das passt dann auch zu den gehobenen bis teuren Preisen.
Die Karte ist so strukturiert, dass man 3 bis 5 Gänge bestellen kann (sollte). Ansonsten wird man nicht satt! Wenn man das nicht weiß, könnte man anhand der Preise für einen Hauptgang (9-16 Euro) auch davon ausgehen, dass man davon satt werden könnte, wenn man nur ein Hauptgericht bestellt. So erging es einigen am Tisch. Ich hätte mir gewünscht, dass der Kellner uns darauf hinweist, oder dass fertig zusammengestellte Menüs zum Festpreis angeboten werden, die dann etwas günstiger sind als einzelne Gänge zusammengerechnet. Haha! … werden jetzt einige schadenfroh lachen und sich denken: “Das weiß man doch, dass die Italiener so essen!”. Ich denke aber, dass es viele Gäste nicht wissen, hierzulande anderes gewohnt sind und es kein Problem darstellen dürfte, einen Hinweis in der Karte abzudrucken oder den Gast höflich zu informieren. Mein Lieblingswirt im Nord Sud macht das immer! Und das kommt gut an, denn man geht nicht mit halbleerem Magen nach Hause und ist verstimmt.
Das war die Abendkarte an diesem Samstag mit folgenden Gängen:
7,00 € Vorspeise/Antipasto: La Torta di Ricotta
9,00 € Nudelgericht/Primo: Le Mafaldine con i Frutti di Mare e il Nasello
16,00 € Hauptgericht/Secondi: La Coda di Rospo con il Carpaccio di Zucchine
4,50 € z.B. Tiramisu
Zu allen Gerichten gibt es Fotos in der Galerie am Ende des Berichtes. Ich selber hatte als Hauptgang das
Nudelgericht “Le Mafaldine con i Frutti di Mare e il Nasello”. Laut Beschreibung sind das breite Nudeln mit Venusmuscheln, Riesengarnelen, Schellfischfilets, Kirschtomaten, Knoblauch, Pfefferschoten und Petersilie. Den Fisch musste man suchen, bei Herrn Piper, der das gleiche Essen hatte, war fast keiner drin. Er hat sich sehr darüber geärgert. Die Grundmasse der Nudeln war dafür hervorragend. Als ganzes gesehen empfand ich es zu ölig. Satt wird man von der “großen” Portion nicht. Theoretisch hätte ich mir die Nudeln auch als kleine Portion für 6 Euro bestellen können, um alle Gänge zu schaffen. Das war aber nicht nötig. Ich empfehle die kleineren Portionen nur, wenn man wirklich nur Appetit, aber keinen Hunger hat. Gut, dass ich mir eine Vorspeise und einen Nachtisch leistete!
Unsere beiden Vorspeisen, die wir zu dritt aßen, hatten klangvolle Namen wie “L’Affettati Misti” (8 €) sowie “Il Salmone Marinato con la Giardiniera” (7 €). Ersteres bedeutet soviel wie “feine luftgetrocknete Wurst und Schinken mit eingelegten Oliven”. Zweites wurde mit “in Zitronen- und Orangensaft marinierter Lachsstreifen mit Dill und rosa Pfeffer mit hausgemachten süßsauer eingelegten Gemüsen” beschrieben. Der Wurstteller bzw. das -brett war beeindruckend, das eingelegte Gemüse schmeckte super, der Lachs war lala ohne besonderes Geschmackserlebenis.
Immerhin gab es vorneweg noch 8 kostenlose Bruschetta für 12 Personen. Die waren ganz und gar lieblos und passten in dieser Hinsicht hervorragend zum gestressten und durchweg männlichen Personal. Die Herren hatten nicht ein einziges Mal Zeit für unsere Runde, ließen uns regelrecht sitzen, waren ständig abgehetzt, verschwitzt, blass, sprachen kein Wort mit uns, konnten uns nichts empfehlen noch erklären und knallten uns am Ende des langen Abends eine Sammelrechnung über 300 Euro auf den Tisch. Wir haben lange gebraucht, um die italienischen Kürzel der Gerichte auseinander zu puzzeln und zuzuordnen, damit jeder seinen Betrag zahlen konnte.
Theoretisch könnte ich noch mindestens zwei weitere, ebenso lange Absätze zu Besonderheiten des Abends im Femminamorte schreiben, aber dann liest kein Mensch meinen elendig langen Bericht. Deshalb ist erst mal Schluss. Zusammengefasst kann man sagen: tolle Inneneinrichtung, gewagte Gerichte (die Gnocchi Lombardia blieben 2 x komplett stehen), mutige Küche (Hahnenkamm), Erinnerungen an Urlaube in Tonale und Livogno, pricy, mauliges männliches Personal, null Service, vertauschte Essen, ergo Abend fast versaut (wären da nicht die schönen Bierkrüge gewesen).
- Gedeckter Tisch
- Käsekuchen 4,50 €
- Panna Cotta
- Tiramisu 4,50 €
- Hahnenkamm 14 €
- Il Cibreo 14 €
- Mafaldine 9 €
- Mafaldine 9 €
- Seeteufelfilet 16 €
- Gnocchi 10 €
- Perlhuhn 15 €
- Weltenburger 2,10 €
- Weltenburger 3,10 €
- Kartoffelcreme 4,50 €
- Torta di Ricotta 7 €
- Salmone Marinato 7 €
- Affettati Misti 8 €
- 8 für 12 Esser
- Freibrot
- Nachtisch
- WC
- WC
- Guck
- Guck
- Il Piatto Forte
- Koteletts 16 €
Femminamorta
Winsstr./Ecke Christburger Str. 30
Tel. (030) 44 35 06 96
tgl. 12-24 Uhr





























am 17. März 2009 um 00:35 Uhr
Veggie und ich kamen mit noch leicht gesättigtem Magen zum Essen, daher haben wir uns beide nur für eine Vorspeise und einen kleinen Nudelteller entschieden.
Ich hatte die Torta di Ricotta, Torte aus Schafsquark, geräuchertem Scamorza, luftgetrocknetem Speck, Salami, Grana Padano und Ei. Sehr gehaltvoll und schmeckte auch gut, aber irgendwie auch nach keiner der Zutaten und irgendwie hätte ich das bei Schaf, Rauch, Speck von zumindest einer dieser Zutaten erwartet.. Die Portion war aber genau richtig. Als Hauptgang hatte ich dann eine kleine Portion Nudeln “Gli Spaghetti alla Siciliana” für 5€, ein Bild ist irgendwie nicht entstanden. Spaghetti mit Thunfisch, Tomate, Knoblauch, Petersilie und Zitronenschale. Schmeckte gut, aber für meinen Geschmack viel zu sehr nach Zitrone. Keine Offenbarung. Portion für 5€ aber völlig in Ordnung.
Irgendwie drängt sich mir langsam der Verdacht auf, das zu einem teurem erfolgreichem Restaurant nicht zwangsläufig herausragendes Essen gehört. Hauptsache die “normalen” werden von den Preisen abgeschreckt, es gibt eine große Weinkarte und das Ambiente passt, das Essen – für das man ein Vermögen ausgibt – kann dann ruhig Mittelmaß sein. Nicht das mich jemand falsch versteht, ähnlich wie im Grill Royal, das Essen hat geschmeckt, aber gleichwertiges habe ich schon für die hälfte in anderen Restaurants gegessen. Ich muss da nicht noch mal hin, die Gäste an den anderen Tischen – zum Großteil in schicker Abendgarderobe – gehen sicherlich wieder hin.
am 17. März 2009 um 09:50 Uhr
Ich finde es erstaunlich, dass in Lokalen, die sich selbst ja wohl als “gehoben” definieren, derartig am Personal gespart wird. Mich schreckt das total ab, ich finde es nämlich unendlich anstrengend und unentspannend, wenn ich den ganzen Abend über nur mit Mühe was nachbestellen kann und immer nur gestresste Manschen vorbeirennen. Die Inhaber machen sich so doch selbst das Geschäft kaputt. Aber whrscheinlich hat Soph Recht, dass es darauf (und auf das Essen) gar nicht ankommt – bei manchen Restaurants reicht es wohl, einen Nimbus von “teuer, edel, Promi-Schuppen” aufzubauen, dann läuft der Laden schon.
Vielleicht mag ja noch jemand aus eurer Runde etwas schreiben (was war denn z. B. mit den Gnocchi?).
Übrigens hätten mich die zwei nicht geschriebenen Absätze durchaus noch interessiert
am 26. März 2009 um 23:05 Uhr
ich finde die kritiken teils sehr ungerecht, was wahrscheinlich das resultat von missverstandener wahrer italienischer küche ist. das restaurant selbst bezeichnet sich keineswegs als “gehoben”, das sollte man von vornerein klarstellen, wer es jedoch so verstanden hat, der hat wohl nicht das eigentliche konzept dieses lokals begriffen. natürlich ist die einrichtung etwas schicker, jedoch soll es nicht den eindruck vermitteln nur ein ganz bestimmtes publikum vorzuziehen. aus erfahrung kann ich sagen, dass die gerichte, sowie brot und bruschetta (die übrigens sehr einfach und schlicht serviert werden müssen) ganz nach italienischem original entsprechen. zu dem herren, der sich über die überteuerten preise und die viel zu kleinen portionen beschwert hat:
ich denke nicht, dass man für 5 euro irgendwo anders in der quantität und in der qualität einen teller pasta, der geschmacklich hundert prozentig italienisch ist, bekommen kann. ich bitte die herrschaften um ein bisschen verständniss und eventuell ein bisschen mehr offenheit ,wenn es darum geht neues kennenzulernen. falls sie es noch nicht bemerkt haben sollten, wir sprechen hier nicht von einem typischen italienischen restaurant mit pizza, pasta bolognese und tiramisú (wie so viele in berlin), nein!!!, es handelt sich um ein toskanisches restaurant, das man in dieser form nicht so schnell wiederfindet in berlin. wie alle regionen in italien, hat auch die toscana ihre kulinarischen traditionen und feinheiten, die im FEMMINAMORTA original und maßgetreu wiedergegeben werden.
ps. würde mir wünschen, wenn es bei schlechter erfahrung eventuell einen neuen versuch geben würde, da ich nur sehr schöne und angenehme abende verbracht habe!
am 30. Oktober 2010 um 20:18 Uhr
War am vergangenen Donnerstag mit meiner amerikanischen Freundin zu Gast und kann keinen Kritikpunkt anbringen. Die gemischte Vorspeise war klasse, der Bachsaibling einwandfrei und dem Service kann ich nur ein großes Lob aussprechen! Ausgesprochen aufmerksam, zuvorkommend und höflich. Die empfohlenen Weine haben bestens gepasst und ein ordentlicher Tip war selbstredend. Ich kann diese Lokal nur wärmstens empfehlen, die Gerichte waren ihr Geld wert, erst Recht in der warmen Atmosphäre, die hier geboten wird. Von meiner Seite: Weiter so!
am 14. Januar 2011 um 17:26 Uhr
… kann mich “Lars” und “Kiwi” nur anschließen: Gehe seit der Eröffnung immer wieder begeistert ins Femminamorta und schleppe auch Freunde dort mit hin, die ähnlich hingerissen sind. Toskanische Küche wie ich sie zuletzt auch so in der Toskana bekommen habe. Kreativ, handwerklich und qualitativ hochwertig, preislich unschlagbar für das, was man bekommt (selbst für den Berliner Standard, im Westen der Republik würde man locker das Doppelte zahlen). Freundliche und zuvorkommende Bedienung. Und die Weinkarte lässt für mich auch keine Wünsche offen – im Gegenteil.
Den Gourmets ganz oben auf der Seite würde ich gerne einen erneuten Besuch empfehlen – und natürlich hilft es immer, sich auf’s Essen einzulassen und nicht nur auf die Bierkrüge ;o)