Berliner Fresse

Midtown Grill – Ausschläfer Brunch für nur 32 Euro

Essen in Berlin by OrgaQueen am 18. Dezember 2008

2 kg KunstfleischSamstag und Sonntag sind Verwöhntage! Das haben wir uns auch gedacht als wir das Angebot des Midtown Grills gelesen haben. An Wochenenden bietet das Steakrestaurant im Beisheim Center am Potsdamer Platz den sogenannten Ausschläfer Brunch für 32 Euro an. Die Werbung hierfür liest sich so: “Unser opulentes Buffet lädt zum Genießen und Verweilen ein. Ob kalte oder warme, herzhafte oder süße Köstlichkeiten – Früchte, Eierspeisen, Steaks und Pancakes mit Ahornsirup bieten den perfekten Ausklang des Wochenendes. € 32,00 pro Person inklusive Prosecco, Kaffee, Tee, alkoholfreie Getränke und frischgepresste Säfte.” Zudem empfahl uns ein Bekannter den Midtown Grill als bestes Steakrestaurant in der Stadt. Angeblich soll es dort noch bessere Steaks geben als im Grill Royal. Da die Steaks im Brunch enthalten sind und die Getränke auch, wollten wir die zweiunddreißig Euro investieren und einen Verwöhntag einlegen.

Dort angekommen stellten wir als erstes fest, dass das Parken vor der Tür 3 € pro Stunde kostet (auf der Straße). Im Parkhaus sogar 4 €. Egal, kamen noch mal 9 Euro oben drauf. Man gönnt sich ja sonst nichts! Dann rein. Die Begrüßung fiel mäßig aus. Zwei Damen hinter einem Stehpult schauten ins Auftragsbuch und stimmten sich ab: “DIE sind alle da hinten”. Wir hörten sie reden, aber das Gespräch war nicht an uns gerichtet. Ein freundliches “Wir haben für Sie im hinteren Bereich reserviert, ich begleitete Sie gleich gerne dorthin.” hätte mir bessser gefallen. Diesen Tonfall finde ich unpassend für ein 5-Sterne-Haus. Denn das ist es. Der Midtown Grill dient dem angeschlossenen Marriott Hotel als Frühstücksraum für die Übernachtungsgäste. Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich glaube nicht hingegangen. Der Brunch ist ein normales Hotelfrühstück, sonst nichts. Sicher, es gibt ein paar andere Dinge als anderswo, aber es ist nichts besonderes. Alles wirkt irgendwie steril. Es fehlt die persönliche Note, einfach der Charme. Das Bufett wird 365 Mal im Jahr jeden Morgen aufgebaut, alle Handgriffe sitzen, alles ist einstudiert bis ins letzte Detail. Jeder Mitarbeiter hat seinen Platz und agiert mechanisch. Die machen sicher einen guten Job, schaffen es aber nicht, Herzlichkeit und Gastlichkeit zu vermitteln. Da hilft es auch nichts, wenn einem ganz stilvoll die Jacke abgenommen wird, aber sonst die ganze Zeit niemand mit einem spricht.

Das mit dem “Nicht-mit-uns-sprechen” hatte zur Folge, dass wir dem Personal permanent alles aus der Nase ziehen mussten. Da wir vergeblich die Steaks suchten, fragte immer-hungtig danach. Die erste spontane Antwort lautete: “Da muss ich mit der Küche reden”. Toll. Nach einer Weile kam dann eine qualifiziertere Aussage: “Ich kann Ihnen eines in der Küche bestellen.” Gut. Und dann drehte sich der Herr vom Service schon wieder um und wollte gehen. immer-hungrig hielt ihn aber auf und bat ihn, bitte auch Steakdie anderen am Tisch zu fragen, ob sie Steaks wollten. Hier fehlte mir wieder die klare Kommunikation und Gastlichkeit. Hätte man uns nicht einfach zu Beginn erklären können, wie der Brunch funktioniert? Ein paar einführende Worte zu den Brunch-Highlights sowie eine nette Erklärung wie “Die Steaks werden frisch zubereitet. Bitte sprechen Sie mich an, wenn ich Ihre Bestellung aufnehmen soll.” hätten völlig gereicht. Manometer. Und was dann kam, waren auch keine Steaks wie man sie im Steakhaus erwartet (oder wie es auf der Startseite im Internet so schön angekündigt wird: “Nach der Tradition der amerikanischen Steakhäuser werden Sie im Midtown Grill die besten Steaks der Stadt erleben.”) Serviert wurden platte, kleine Scheibchen wie sie jeder Kochanfänger hinkriegt. Enttäuschend!

Und so ging das die ganze Zeit. Immer rannte einer von uns dem Servicepersonal hinterher, um die Basics am Buffet auffüllen zu lassen. Zwischendurch waren die Messer alle, dann die kleinen Löffel, dann der Orangensaft, dann fehlten Proseccogläser, usw. Verwöhnt wurden wir also nicht.

Ein weiteres Ärgernis war für mich die schlechte Vorbereitung unseres Tisches. Trotz schriftlicher Reservierung und mehrfacher vorheriger Absprachen, klappte das in meinen Augen nicht. Ich wollte einen Tisch für 17 Erwachsene und 3 Kinder. Das ist zwar eine große Gruppe für eine Tafel, aber machbar. Genau deswegen geht man ja ins Restaurant, weil zuhause kein Platz ist für alle. In der Umsetzung hat man uns einfach 17 Bestecke in die Serviette gewickelt und auf zwei Tische verteilt. Gar nicht schick, gar nicht amerikanisch, gar nicht weihnachtlich, gar nicht liebevoll, einfach nur furchtbar. Wir haben dann selber angefangen, die Tische zusammen zu stellen, weil man auf unsere Verwunderung nur sehr verhalten reagiert hat. Platz war ausreichend. Also in meinen Augen völlig unverständlich. Der versprochene Kindertisch war zwar vorbereitet, aber leider nicht in Reichweite oder der Nähe zu uns Erwachsenen. Und was noch verwunderlicher war: auf unserem Tisch standen schon vorbereitete Thermoskannen mit Kaffee drin. D.h. im Klartext. Beim 5-Sterne-Brunch für 32 Euro bekommt man Filterkaffee aus der Thermoskanne wie bei einem Seminar angeboten. Absolut inakzeptabel, sowohl auf europäischer Ebene als auch in der 5-Sterne-Potsdamer-Platz-Liga.

Wahrscheinlich begründen die den Filterkaffee mit “typisch amerikanisch”. Was er ja auch ist. Aber dann sollte alles ohne Ausnahme konsequent amerikanisch sein. Was es auf keinen Fall ist, was die nachfolgende Auflistung der beim Brunch angebotenen Speisen deutlich zeigt: Weißwurst, Sushi, Heringshappen, Räucherfisch, Leberwurst !?

Ich habe einige Bufettrestaurants bei unserer Reise durch die USA kennengelernt. Die waren weitaus üppiger, günstiger allemal und es gab immer Showeinlagen am Rande. Der Griller (oder Koch) am Herd war in USA meistens zum Spaßen aufgelegt. Es brutzelte immerzu. Das machte Appetit. Man sah, was sich die anderen braten ließen und wollte das dann auch haben. Da fallen mir spontan die Hushbrownies oder das Rührei mit zerlassenem Käse ein. Darunter der lecker Bacon, der mit einer Art Bügeleisen platt gemacht wurde, damit er sich nicht kräuselt.

Mit dieser Vorstellung bin ich in den Midtown Grill gegangen. Dass da einer am Grill steht, permament Steaks, Hush Brownies oder Eier brät. Ein bisschen Show macht, die Gäste animiert und Spaß daran hat, wenn man ihm die Leckereien aus der Hand reisst. Aber nix da. Das einzig amerikanische waren die Pancakes. Die waren sogar ganz gut.

Midtown Grill
Ebertstraße 3
10785 Berlin

http://www.midtown-grill.de

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7 Kommentare zu 'Midtown Grill – Ausschläfer Brunch für nur 32 Euro'

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  1. soph sagte,

    am 19. Dezember 2008 um 00:24 Uhr

    Tja, was soll ich sagen. Ich hab das Resto überhaupt auf den Plan gerufen und mit OrgaQueen beschlossen, dass wir da mal hin müssen. Sowohl der Text auf deren Seite als auch sehr viele Rezensionen auf Qype liessen fantastisches erwarten.
    Noch besser wird es dann, wenn man 17 Leute praktisch dazu überredet, das man für die 32€ doch wirklich was tolles bekommt, alle schwärmen usw. – aber mal wieder zu weit aus dem Fenster gelehnt.

    Zur Liste der fehlenden Dinge kann ich noch Schalen hinzufügen, die standen eigentlich die ganze Zeit nicht bei den Suppen. Irgendwann habe ich dann mal unseren Kellner gefragt, wie das den gedacht ist mit der Suppe. (ein Koch war zwar die ganze Zeit hinter dem Buffet, war dabei aber hochkonzentriert bloss nicht aufzufallen) Der Kellner zog mit den Worten “oh, hole ich” ab und hat dabei auch gleich noch die Schalen am Obstbuffet aufgefüllt die ebenfalls leer waren. Anzurechnen ist ihm, das er mir die Suppe dann gleich in die Schale gemacht hat. Und sogar noch eine Schale für einen potentiellen weiteren Suppenesser dort gelassen hat. Nicht etwa mehrere, eine einzige, aber gut, die 3 anderen Schalen hat er auch am Salatbuffet gelassen.

    Alles Essen was auslag, war 1A ohne Frage. Alles lecker, alles Frisch, aber dafür 32€ – auf keinen Fall?

    Ich hatte eine Woche später das Vergnügen abends zum normalen Essen ins Midtown Grill eingeladen zu werden. Da war der Laden gut gefüllt die Kellner gesprächig, haben sich vorgestellt, das Essen super – die Steaks waren wirklich fantastisch. Zum bezahlen gibt es einen kleinen Tischofen über dem man sich ein paar Marshmallows rösten kann. Aber was nützt das, wenn es das Restaurant dann beim Brunch so derartig versaut.

    Ich hatte jetzt den vergleich zu den “echten Steaks”, ich weiß das die gut schmecken. Aber alle anderen haben nur ein komisches Stück Fleisch im Kopf, das kaum zu schneiden war. Werbung für ein Steakrestaurant sieht anders aus würde ich sagen.

    Achja, an alle die dabei waren. Zum Abendessen gab es die gleichen Messer wie zum Brunch. Für das Steak das es da gab, waren die völlig ausreichend. Lag also doch am Fleisch und nicht an den Messern…

  2. schtief sagte,

    am 19. Dezember 2008 um 11:53 Uhr

    auweia, das hört sich ja nicht erfreut an. vor allem 17 Leute gleich mal enttäuscht dabei hätten die mit einem perfekten brunch doch gerade gäste für den abend locken können.

    Mein Beileid.

  3. schtief sagte,

    am 19. Dezember 2008 um 11:56 Uhr

    achso übrigens laut homepage ist das parken doch kostenlos
    “…
    Zu uns brauchen Sie kein Taxi. Wenn Sie als unser Gast im Restaurant zum Essen kommen, schalten wir Ihnen bei Vorlage Ihrer Rechnung gerne den Parkschein für die hauseigene Tiefgarage in der Ebertstraße frei….”

    Ich werd mir demnächst da mal die Steak-Flatrate anschauen, Filet-Mignon bis zum abwinken….. hmmmm

  4. schtief sagte,

    am 19. Dezember 2008 um 12:25 Uhr

    Sorry ich bins nochmal, habe gerade gemailt (and die emailadresse auf der webseite restaurant@…) und wollte mehr über die steak-flatrate wissen, und wann die ist, reservieren und co. und ratet mal was ich bekommen habe, eine out of office Reply :-) Die Marketingcheffin, die anscheinend diese mails bekommt ist erst wieder ab 5.Januar im Hause :-)

    So dass wars, da brat ich mir mein Steak doch selber, für 30€ bekomme ich vielleicht 700g feinstes Filet Mignon und das ess ich dann mit meiner Freundin ganz alleine auf :-)

  5. immer-hungrig sagte,

    am 19. Dezember 2008 um 23:19 Uhr

    Das mit dem Parken hätte natürlich auch in den E-Mails zu unserer Reservierung stehen können. Wenn ich in den Parkautomat die Gebühr für 3 Stunden eingeworfen habe, nützt mir DANACH der Hinweis vom Servicepersonal auch nichts mehr.

    Zum Essen ist eigentlich alles gesagt. Nur noch soviel. Das Sushi war schon fertig und ich habe gesehen, wie es nur noch aus der Kühlschrankfolie gewickelt und hingestellt wurde. Mir war es dann schon zu trocken. Die Wasabipaste war fast neongrün. Die hatte ich so noch nicht auf dem Teller.

    Ansonsten kann ich nur sagen, steril und ohne Charme diese Location.

  6. Mettigel sagte,

    am 03. Januar 2009 um 11:46 Uhr

    Au weia, das hört sich ja gar nicht gut an. Ich finde es auch immer super entäuschend, wenn man in ein Edelrestaurant geht und dann auf 2. Liga Niveau behandelt wird.
    Falls Ihr eine Widergutmachung braucht: Ich war gestern im Ottenthal in Charlottenburg. Das Essen und der Service sind fantastisch!

  7. bänsch sagte,

    am 01. März 2010 um 08:30 Uhr

    Hallo,
    habe diese Lokation empfolen bekommen. Nachdem, was ich ebend gelesen habe, werde ich mein schwehr verdientes Geld definitiv nicht dort hinbringen.
    Für 32 Euro plus Parkgebühr und nicht kompetentes Personal…. Nein Dan
    ke ! Und das als Hauptstad.Kann man sich das leisten?
    K. Bänsch

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