Berliner Fresse

Strandklause – feini Fisch mit Ostseeblick

Anderswo Essen by OrgaQueen am 31. August 2008

Nach einer Woche in Schleswig haben wir am Ende doch noch ein anständiges Fischessen bekommen.  Eigentlich wollten wir uns nur das U-Boot-Museum und das Marine-Ehrenmal in Laboe ansehen. Doch von hoch oben des Aussichtsturms fiel uns die Strandklause direkt am Ufer der Kieler Förde auf. Nach gut zwei Stunden Bildung und reichlich Meeresluft in der Nase wollten wir jetzt noch guten Fisch essen. Die Strandklause sah verlockend aus, könnte aber aufgrund ihrer exponierten und touristischen Lage auch ein Reinfall werden. Das “Für und Wider” ließ sich nicht greifen und wir gingen einfach rein.

Direkt vor der Klause mit Blick auf die Ostsee stehen Liegestühle und ein, zwei Tische mit Strandkorb. Da war zu wenig Platz für unsere kleine Gruppe. Alternativ hätten wir uns auf die Terrasse setzen können, was aber bei der diesjährigen Wespenplage sehr nervig ist. So suchten wir uns im klimatisierten Innenraum eine schön gedeckte Tafel aus. Weiße Tischdecken, Kerzenständer, gepolsterte weiße Stühle, maritime Bilder und dunkle Holztäfelungen prägen das Ambiente, das 70er Jahre Charm ausstrahlt. Es roch auch ein bisschen so, obwohl alles sehr sauber und neu geweisst war. Hier wird anscheinend das Original liebevoll erhalten. Wer die WCs aufsucht, kriegt noch mal die volle Packung geliefert: 1A-saubere Toiletten, top gepflegte 70er-Jahre-dunkelgrün geflieste Wände und Glasbausteine als Fenster. Normalerweise stehe ich nicht auf sowas und habe meine Bedenken schon wegen der Hygiene. Wenn es aber so ordentlich daherkommt, kann man nicht meckern und wundert sich nur über die konsequente Erhaltung.

Ebenso Retro war unsere Bedienung. Erfrischend anders aus einem Leben vor unserer Zeit mit alter Schule und – Gott sei Dank – mal keine angelernte Saisonkraft. Sie servierte zum Beispiel alle Getränke mit Untersetzern und drehte vorab auf ihrem Tablett das Jever-Logo auf dem Glas in Richtung des Gastes bevor sie das Bier servierte. Sehr schön und lange nicht gesehen. Leider konnte sie uns im Gegenzug nicht die Angebote von der Tafel draußen nennen. Da diese nicht in der Karte aufgeführt waren, musste einer von uns rausgehen und selber nachschauen. Da hatten wir nämlich im Vorbeigehen die frische Ostseescholle registriert, die dann auch glatt drei Mal auf unserem Tisch landete.

Ich bestellte mir Labskaus für 11 Euro. Man schmeckte diesmal (im Vegleich zu dem Labskaus in Leer) deutlicher das Fleisch heraus. Labskaus besteht grundsätzlich aus Pökelfleisch oder Corned Beef, Kartoffeln, Matjes, Zwiebeln und Roter Bete. Regional bedingt variiert es natürlich. Immer-hungrig fand diese Version leckerer, ich hingegen mochte mehr das Labskaus in Leer. Frisch und sehr gut war es auf jeden Fall.

Absolute Begeisterung löste bei drei Reiseteilnehmern die frische Ostseescholle mit Bratkartoffeln für 9,50 € aus. Das Special von der Tagestafel entpuppte sich als echtes Highlight. Da bei uns nicht nur die Schollenesser Bratkartoffeln bestellt hatten, kam für alle zusammen eine große Terrine übervoll mit Bratkartoffeln auf den Tisch. Das spart Platz und macht gute Laune.

Unser Kleinster bekam ein typisches Kindergericht: Fischstäbchen mit Pommes für 5 Euro. Gratis danach zum Dessert noch eine Kugel Eis nach seiner Wahl. Das und die Froschgummibärchen dazu kamen natürlich am besten an.

Also, die Strandklause war ein voller Erfolg und kein touristischer Nepp. Neben zahlreichen Fischgerichten werden auch Fleischklassiker und vegetarische Speisen angeboten. Ein Besuch lohnt sich also für jedermann.

Strandklause
Professor-Munzer-Ring 1
24235 Laboe (Schleswig-Holstein)

Telefon 04343/429877
täglich 9-20 Uhr

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