Berliner Fresse

Frarosa – Weinerei mit Gastro

Essen in Berlin by OrgaQueen am 14. Juni 2008

Frarosa – Weinerei mit außergewöhnlichem Konzept. Ich verrate als allererstes was das heisst: Frarosa ist eine Weinverkostungsstube, die ab 20 Uhr zusätzlich Menü-Essen anbietet. Es gibt keine festgesetzten Preise, weder für das Essen noch für die Getränke. Jeder Gast zahlt am Ende seines Besuches soviel, wie er für angemessen hält. Und zwar nicht direkt beim Service, sondern man wirft seinen Beitrag in eine große Glasschale, die auf dem Tresen steht und geht. Das Servicepersonal macht keine Notizen und beobachtet auch nicht, was so über den Tisch geht. Im Detail läuft das so ab: man bezahlt am Anfang 2 Euro “Eintritt” und bekommt im Gegenzug ein Glas zugeteilt. Nun darf man sich nach Belieben an den Getränken bedienen, die auf und neben der Theke platziert sind. Dazu gehören Weine, Wasser und Säfte. Es gibt hier keine Cola und kein Bier.

Ab 20 Uhr wird ein Vier-Gang-Menü angeboten. Man muss nicht essen, manche trinken auch nur den ganzen Abend. Bei jedem Gang kann aus zwei Optionen gewählt werden. So müsste für jeden was dabei sein. Die Gänge sind von der Größe so angelegt, dass man wirklich alle vier nehmen sollte. Der Service nimmt dann ganz normal die Bestellung auf. So wie ich das verstanden habe, wechselt das Menü täglich. An diesem Abend standen folgende Sachen zur Auswahl:

Vorspeise

  1. Orangen-Sellerie Süppchen mit Zitronenschaum
  2. Baby Leaf Salat mit Sardischen Tomaten und Limetten-Mango-Vinaigrette

Zwischengang

  1. Fresecco Risotto mit grünem Spargel
  2. Sûpreme von der Wachtel mit gebratenen Artischocken und schwarzem Johannisbeer Sud

Hauptgang

  1. Kabeljaufilet auf Balsamico-Linsen und Pok Choy
  2. Kalbsschnitzelchen auf Röstkartoffeln, Blattspinat und Rosmarin-jus

Vorspeisen

  1. Waldbeer-Lavendel Gele mit Borbom-Vanilleschaum

Grundsätzlich war der Abend ok. Dennoch gab es für mich einige negative Aspekte im Servicebereich, die mein Gesamturteil beeinflussten und somit das sehr gute Essen in den Schatten stellten. Da stellt sich natürlich die Frage, was man bei der Bezahlung alles mit einfließen lässt? Für das Essen würde ich 5 Sterne geben, für den Rest (was ja auch dazu gehört) nur 2 Sterne. Immerhin fehlt komplett die Bedienung für die Getränke. Also Selfservice den ganzen Abend. Aufstehen, hinsetzen, aufstehen, hinsetzen. Das ist nicht so schlimm, brauch aber auch nicht bezahlt werden, wenn man es selber macht.

Die Kellner servieren nur das Essen, räumen die Teller zwischen den Gängen ab und legen die Getränke am Tresen nach. Zwischendurch (oder meistens eigentlich) trinken sie selber reichlich Wein, Rauchen oder tickern auf dem Notebook, das auf dem Tresen steht. Ich hatte den Eindruck, dass die sich immer gestört fühlten, wenn die an die Arbeit mussten. Dann wurde husch-husch das nötigste gemacht und wieder zurück an die Quatschtheke. Für diese wenigen Aufgaben haben die ganz schönen Stress verbreitet und besonders die Dame hat vor der ganzen Runde einen Flunsch gezogen und mit den Augen gerollt, weil sie von uns abgenervt war. Dabei hatten wir nur darum gebeten, die Musik etwas leiser zu stellen. Unsere kleine Gruppe von 7 Leuten saß direkt unter einem Lautsprecher. Es war uns nicht möglich, über den Tisch zu unterhalten. Und unterhalten empfinde ich als einen wichtigen Bestandteil eines gelungenden Abends. Erst beim dritten Nachfragen hat sie überhaupt reagiert. Wie gesagt, mit dem Augenrollen. Vorher nicht mal ignoriert.

Super kam die Idee an, an einer Wand des Raumes mittels Beamer ein Live-Bild aus der Küche zu übertragen. Dort arbeiteten drei Köche an der Zubereitung der einzelnen Gänge. Man konnte nicht nur mitverfolgen, wie weit das eigene Essen ist, sondern auch mal den Profis auf die Finger schauen, wie die so im richtigen Leben kochen. Da das die Weinerei gut besucht war, hat sich das Essen etwas hingezogen. Für die 4 Gänge sollte man sich auf jeden Fall genügend Zeit mitbringen.

Nun ein paar Worte zum Essen. Das war einfach toll. Mal was ganz anderes. Ich habe völlig neue Geschmacksrichtungen erlebt. Besonders stach der Nachtisch mit dem Lavendel hervor. Man kann es gar nicht beschreiben. Wenn es nur um das Essen gegangen wäre, würde ich sagen: das Frarosa war top. Ich hatte den Salat, das Risotto, das Schnitzelchen und das Gele. Davor gab es kleine Appetizer “gratis” und ganz zum Schluss einen Likörwein an den Tisch gebracht. Danach war ich satt. Einige kräftige Herren hätten gerne noch mal 4 Gänge bestellt. Ich für meinen Teil fand es so genau richtig, da man ja doch sehr spät Abendbrot isst.

Wein haben wir kaum getrunken. Daher kann ich nichts dazu sagen. Keiner von uns kennt sich damit aus. Ein Glas rosé habe ich mir gegönnt. Der war eisgekühlt sehr lecker. Schön leicht für einen Sommertag.

Momantan hadere ich noch mit dem Gedanken, das Frarosa weiter zu empfehlen oder noch mal hinzugehen, denn die Dame im Service lies uns mehr als einmal und deutlich spüren, dass wir nicht ihrem Wunschklientel entsprachen. Das müssen wahrscheinlich Künstler, Kreative, Weinkenner, Schöne oder Erfolgreiche sein. Unserereins bespricht eher die Beamertechnik an der Decke, grübelt über das Konzept “Kasse des Vertrauens” nach, fragt sich, wie das alles ohne Bon besteuert wird, ob man eine korrekte Bewirtungsrechnung auf Verlangen bekommen hätte oder freut sich kollektiv über das neu angeschaffte Diamant-Fahrrad eines Freundes.

Fra Rosa
Weinerei
Zionskirchstr. 40
10119 Berlin
Mo. – So. 13h – 20h, Restaurant ab 20h
Tel. 030 – 65706756

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6 Kommentare zu 'Frarosa – Weinerei mit Gastro'

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  1. Sagdochauchmalwas sagte,

    am 18. Juni 2008 um 18:18 Uhr

    Da ich die gleiche Gang-Folge hatte, kann ich meiner Vorrednerin bezüglich Geschmacksbeschreibung vielleicht etwas unter die Arme greifen:
    Der Salat war einfach gestrickt, aber die Salatsoße war lecker. Ich fand die Fruchtkombination der Vinaigrette gelungen. Ob einem die Früchte überhaupt schmecken muss jeder selber wissen.
    Das Risotto war das erste meines Lebens, welches mir richtig geschmeckt hat. Da hat sogar der Spargel nicht gestört. Dieser war aber frisch und ertragbar. Das die kleinen grünen Stücken im Reismatsch wirklich Spargel waren bewies eine späterer Gang auf die Toilette.
    Bei der Wachtel war auch alles sehr fein. Die Beschreibung sagte alles, konnte alles erschmeckt werden.
    Zum Lavendel-Gelee: Dieser Geschmack war uns allen neu. Es schmeckte so, wie manchmal Seife riecht, ohne dabei unangenehm gewesen zu sein. Nach dem ersten “Oh je, ich hab den Mund unter der Dusche offen gelassen”-Erlebnis musste ich alles ausspachteln.

    Soviel zum Essen.
    Der Service war wirklich durchwachsen. Es zahlte sich wohl wieder aus, mit dem Rücken zur Theke zu sitzen. Die Dame des Hauses schaute wirklich nicht glücklich drein, die Musik war wirklich zuerst zu laut (wahrscheinlich war meine Bitte um Reduzierung der Lautstärke ignoriert worden), aber alles habe ich nicht mitbekommen und damit hielten sich meine Aufreger zum Service zum Glück in Grenzen.

    Der Beamer war wirklich nett. Super Zeitvertreib.

    Fazit:
    Sehr interessantes Konzept. Sehr gutes Essen. Der Service hat nicht kapiert, dass man auch arbeiten muss für einen sehr vollen Glasbottich. Ich fürchte, damit hat sich das Frarosa einen Bärendienst erwiesen, weil sonst eigentlich vieles für eine super Bewertung gesprochen hätte.

  2. Magenschmerzen sagte,

    am 19. Juni 2008 um 12:28 Uhr

    Erst einmal zum Essen:

    Ich hatte als Einziger in der Runde als Vorspeise das Orangen-Sellerie Süppchen mit Zitronenschaum. Diese war sehr lecker und fast schon etwas zu viel ;-)

    Bei den anderen Gängen kann ich mich nur den Vorrednern anschließen: Alles hervorragend!

    Zum Service:

    Ich bin überhaupt kein Fan von Selbstbedienung in Gaststätten. Selbstbedienung hab ich zu Hause und bei McDonalds.

    Ich finde es auch sehr komisch, dass sich die Leute in der Küche den Wolf arbeiten und ihr bestes geben, und die Schnittstelle zum Gast versagt kläglich. Ich als Koch würde mir ziemlich doof vorkommen.
    Der Service, oder was davon erkennbar war, war jämmerlich.

    Das Service Konzeot passt auch rein garnicht zum Speisenkonzept. Entweder ich mach einen Kastanien-Imbiss für Künstler und Lebenskünstler die sich den ganzen Tag für 2 Euro am Apfelsaft und Wein festhalten wollen, oder ich mach eine sehr gute Küche und spare mir dann aber nicht den Service.

    Naja – nicht wirklich mein Problem. Ich denke aber, wenn die Location überleben soll, sollte ein Service her, der es wenigstens schafft mal ein Glas Wasser vorbeizubringen.

    Essen: 5 Sterne
    Service: 1 Stern (so wird der Bottich nie voll)

    Schade eigentlich

  3. Karina sagte,

    am 08. Februar 2009 um 10:59 Uhr

    Tja,
    der Betreiber des Frarosa sollte sich wirklich ernsthafte Gedanken über den Service machen.

    Das Ambiente ist sehr gemütlich, zusammengewürfeltes Mobiliar, das letztendlich doch harmonisch wirkt, Kerzenlicht und eine bunte und interessante Gästeschar.
    Hervorragendes Essen, ein sehr leckerer Gaumenkitzel und ungewöhnliche Geschmacksvarianten. Großes Lob für die Küche.
    Und ein großes Lob für die Weine und die Limonaden, die man einfach probiert haben muss..

    Kritik auch hier am Service. Das Mädel hinter dem Tresen wirkte gestresst obwohl sie offensichtlich Langeweile hatte, in Zeitschriften blätterte und überdrüssig in die Runde schaute.
    Maulig auf Nachfragen reagierte und ganz offensichtlich Lust auf Nichts hatte.
    Schade.

  4. weinerei sagte,

    am 08. Juli 2009 um 22:09 Uhr

    Erst einmal vielen Dank für die positiven Kommentare zu unserer Küche.

    Einige Sachen möchte ich gerne erklären: Wir sind ein “normaler” gastronomischer Betrieb, der natürlich auch die Einnahmen besteuern muss. Eine Registrierkasse würde unter anderem die Buchhaltung erleichtern, ist aber bei unserem System nicht zu verwirklichen ohne dass wir unsere Gäste bei der Bezahlung kontrollieren müssen. Aber man kann eine Rechnung erfragen, die dann per Post versendet wird. Oder auch eine einfache Quittung, die man sofort erhält.

    Am Service haben wir stark gearbeitet und versuchen nach wie vor, Kritik positiv umzusetzen. Und natürlich haben wir ein Wunschklientel: Alle, die Spaß und Freude an unserem Konzept, dem Essen und dem Wein haben, sind bei uns herzlich willkommen.

    Noch ein Wort zum “self-service” bei den Weinen: Wir möchten, dass unsere Gäste die Weine ausprobieren. Jeder hat unterschiedliche Vorlieben. Da ist es doch schöner, wenn man sich den Wein selber aussuchen und vorher testen kann.

    Ich hoffe ihr habt den Spaß nicht verloren und kommt uns weiterhin besuchen!

  5. isa sagte,

    am 25. Juli 2009 um 17:14 Uhr

    auch ich kann mich, was das essen angeht, der positiven resonanz anschließen.
    meine kritik bezieht sich ausschließlich auf den “service” – der war und ist nämlich keiner. vor allem die weibliche (italienischsprachige) bedienung vergrault einem den abend. als ich einen für mich angemessenen betrag in das bezahlglas (schon hier lügt ihr euch in die tasche, denn das sorgt für soziale kontrolle) werfen wollte, kommentierte sie das lautstark und extrem unfreundlich. auf meine erwiderung, dass ich diesesmal eben weniger zahlen wolle als die vorherigen male (ich war schon oft bei euch und habe immer gerne viel gegeben), wurde sie richtig pampig. gestresst und unfreundlich war sie den ganzen abend über, die beiden männlichen bedienungen haben das wieder wettgemacht.

    überlegt euch, ob ihr euch euer im grunde sehr schönes konzept von leuten kaputtmachen lassen wollt, die – so scheint es – nicht für solcherlei arbeit gebacken sind. es wäre schade um den feinen laden frarosa.

  6. fiuts sagte,

    am 19. März 2010 um 14:09 Uhr

    Ich habe die selbe Erfahrung mit besagter Bedienung gemacht, die offensichtlich immer noch dort arbeitet. Ich war sehr oft im FraRosa und habe immer gerne auch meiner Meinung nach fair und großzügig bezahlt. Bei meinem letzten Besuch wurde mir am Ende des Abends aber versucht weiss zu machen, dass man neuerdings einen Mindestpreis für das Essen (20 Euro) plus Getränke zu entrichten habe – selbst wenn man nicht alle Gänge des Menüs genommen hatte und gerade mal ein Glas Wein getrunken hatte. Unter Berücksichtigung des zwar guten Essens aber der sehr kleinen Portionen fand ich das ganz schön happig. Am schlimmsten fand ich aber den auffallend unfreundlichen Ton der Bedienung, die, wie meine Vorgängering schon berichtete, unseren Bezahlvorgang lautstark kommentierte. Entweder stimmt es also, dass das FraRosa das bewährte Weinerei-Konzept aufgegeben, bei dem man den angemessen Preis für die konsumierten Speisen und Getränke am Ende des Abends selber bestimmen kann oder das war nur eine weiter Unverschämtheit einer bereits mehrfach erwähnten Bedienung. Auf den Karten stehen nämlich nach wie vor keine Preise, was einem in dem Glauben beläßt, alles sei beim Alten. Hat sich das Konzept also geändert, fragt man sich, warum dann nicht gleich – wie in jedem anderen Restaurant – die Preise auf die Karte gesetzt werden. Hat sich das Konzept nicht geändert, würde ich die besagte Bedienung rauswerfen. Mich hat das FraRosa jedenfalls als Kunden verloren, was ich sehr bedaure, weil das Essen eigentlich immer toll war. Nur leider macht der Service in einem Laden einen großen Teil des Besuchs mit aus. :-(

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